Antiquariat am Moritzberg

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book (2)

Commentarii de rebus Franciae Orientalis et Episcopatus VVirceburgensis, in quibus regum et imperatorum franciae veteris germanique, episcoporum vvirceburgensium et ducum franciae orientalis gesta ex scriptoribus coaevism, bullis et diplomatibus genuinis, sigillis, nummis, gemmis, veteribus picturis, monumentisque allis exponuntur et figuris aeri incisis illustrantur. Erste Ausgabe. 2 Teile in 2 Bänden.

Würzburg - Eckhart (Eccard), Johann Georg von: 10 Bl., 936 S., 31 Bl., 1 Bl., 1004 S., 39 Bl. Mit zusammen 2 gest. Titelvignetten, 14 Kupfertafeln (7 gefaltet), 1 gefalt. Stammtafel, 1 Plan, zahlr. Textkupfern (meist Münzkupfer) und einigen gestochenen Vignetten; Titeleien in Schwarz und Rot. 2° (31,5 x 20 cm). Schweinslederbände (auf Holzdeckeln) mit reicher Blindprägung, auf 5 Bünden und mit jeweils 2 intakten Messing-Leder-Schließen. Etwas berieben und fleckig; insges. ca. 30 Bl. mit schwachem Wasserfleck im weißen Rand; Bd I mit sehr geringen Wurmfraßspuren am oberen Kapital und hs. Besitzvermerk auf Titelei (datiert 1809); Titelei von Bd II knapp beschnitten, Schmutztitel hier mit kleinen hinterlegten Fehlstellen; Innengelenke beider Bände mit schmalen Papierstreifen verstärkt. Provenienz: Auf Innenspiegel von Bd I mit dem gest. Wappenexlibris "Ex bibliotheca Theodori Karajan" - es handelt sich um den Historiker und Germanisten Theodor Georg Ritter von Karajan (1810-1873), dem Urgroßvater des nachmaligen Dirigenten Herbert von Karajan. Die reiche barocke Blindprägung der Einbände mit floralen Rollen- und Plattenstempeln, die Verstärkung der Innengelenke, die Beschneidung der Titelei sowie die signifikant frischeren Abzüge der Kupfer im Band II bieten Raum für verschiedene Vermutungen: - die beiden Bände sind nicht zeitgleich und/oder nicht in derselben Auflagenhöhe erschienen; - die Buchblöcke und die Einbände sind erst später (im 19. Jhdt?) zueinander gekommen, denn diese sind anscheinend 100 Jahre älter als der Inhalt. Im 20. Jhdt wurde zusätzlich ein marmorierter Pappschuber angefertigt. Die Datierung der Erscheinung dieses Werkes muß, anders als im Impressum mit 1729 angegeben, 1731 lauten, denn: "Anno 1730. die 9. Februarii post horam septimam matuatinam (.) placidissime in Christo obdormivit Perillustris Dominus, Joannes Georgius ab Eckhart". Das heißt, das Werk erschien unvollendet und posthum, worauf schon Jöcher (vol. II, 269f) hinweist. Kein in der Literatur, im Handel oder in öffentlichen Sammlungen beschriebenes Exemplar hat diesselbe Kollation mit der angegebenen Anzahl von Tafeln wie das vorliegende, was zusammen mit der Frische der Abzüge ein weiterer Hinweis sein mag, dass vol. II nicht zusammen mit vol. I bzw. nicht in allen Exemplaren mit derselben Tafelanzahl erschienen ist. Die Tafeln im Übrigen stammen von Johann Salver (1670-1738; vgl. Thieme/B. 29, 360). J. G. Eccard (1674 in Duingen bei Hildesheim - 1730 Würzburg), Historiker, ab 1694 Mitarbeiter/Sekretär von Leibniz, auf dessen Betreiben seit 1704 Professor für Geschichte in Helmstedt, nach Leibniz' Tod 1716 Übernahme von dessen Stelle als Historiograph und Bibliothekar in Hannover, floh 1723, vermutlich wegen Schulden, vor der Verfolgung durch die Justiz nach Würzburg, konvertierte zum Katholizismus und reüssierte erneut als Bibliothekar, Archivar und Historiker. Im vorliegenden Werk - es blieb unvollständig und der Berichtszeitraum reicht bis zur Regierungszeit Konrads I - gibt Eccard in der Behandlung des weitgefassten Themas ein Beispiel seiner quellkritischen Methode, die insgesamt seine Bedeutung als Historiker auch bei seinen zahlr. anderen Schriften begründet. "Die Geschichte des Bistums, er sieht das Würzburger Gebiet als Ursprungsland der Franken an, wird in engster Verbindung mit der Reichsgeschichte dargestellt. (.) Besondere Beachtung verdient seine Erstausgabe des Hildebrandliedes im 1. Band seiner Commentarii (S. 864-902)" (NDB 4, 270f). Die Kasseler Handschrift des Hildebrandliedes wird in Übersetzungen und ausührlichen Kommentaren als herausragendes Dokument der deutschen Sprache und Geschichte insgesamt gewürdigt. Vgl. auch Jarck: Brsg. Biogr. Lexikon, S. 184f. LA
book (2)

Scripta ad Hanibaldum episcopum super quattuor Sententiarum Petri Lombardi. Editio princeps.

Thomas von Aquin: 153 nn. Bl. (von 154 - das letzte weiße fehlt). Mit Holzschnitt-Druckermarke am Schluß, zahlreichen Lombarden und weiteren Rubrizierungen in Rot. Folio. Schweinslederbd d. Z. auf Holzdeckeln, mit 3 Bünden, reicher Blindprägung und 2 hs. Rückenschildern. GW M46359; Goff T 329; BMC II, 770; BSB H-5; Graesse VII, 139. Ein Nachweis des Buchbinders ist nicht gelungen, der dies Exemplar als Schweinsledereinband auf schweren Holzdeckeln mit Streicheisen-Gevierten, floralen Rollen- und Plattenstempeln (Rosen, Margeriten) verzierte; die spätgotische Stilistik weist allerdings hin auf die Zeit des Probstes Johannes Zi(n)gießer, der 1499 bis 1523 dem Kloster Polling im heutigen Landkreis Weilheim-Schongau vorstand und umfänglich die baulichen Anlagen des Klosters (Kapelle, Refektorium, Bibliothek etc.) im spätgotischen Stil umgestalten ließ. Das gestochene Exlibris auf dem vorderen Spiegel (datiert mit 1744) zeigt das Dreischilder-Wappen des damaligen Probstes Franz Töpsel (vgl. auch Zimmermann, S. 122ff; mit Abb.); es wurde von dem bedeutenden Kupferstecher Franz Xaver Andreas Jungwierth (1720-1790) geschaffen (vgl. Thieme/B. 19, 332f) und über einen älteren hs. Besitzvermerk geklebt; aus der Mitte des 18. Jhdts stammt vermutlich auch der hs. Kommentar auf der Titelei: "Pertinet ad studium philosophiae"; verso Titelei ein weiterer hs. Besitzvermerk des Klosters Polling, das in "Doktor Faustus" von Thomas Mann als Kloster "Pfeiffering" wiedererkannt werden kann. Buchberger (1907; I, 236) stellt dar, dass dieser Kommentar zu den Sentenzen des P. Lombardi fälschlich Thomas von Aquin zugeschrieben wurde, der echte Verfasser aber Annibaldi (degli Hannibal) sei, der - aus römischer Senatorenfamile - in Paris bei Thomas studierte, 1258 den Magistergrad erwarb und ein Jahr später den Lehrstuhl des Thomas übernahm; schon 1262 promovierte er zum Kardinal der 12-Apostelkirche und starb 1272 zu Orvieto. Die Bedeutung des Scholastikers Petrus Lombardus, der u. a. neben Abelaerd Paris zum Wissenschaftszentrum Europas machte, betont RGG ( 1930; IV, 1110): Er hat "auf die Entwicklung der Lehre einen ungeheuren Einfluß ausgeübt, und eine Darstellung der theologischen Probleme im Mittelalter muß stets von der Darstellung des P. L. ausgehen." Ohne das letzte weiße Blatt; etwas berieben und angeschmutzt bzw. fleckig; Schließen entfernt, nur noch hintere Anker bzw. Nägel vorhanden; Vorderdeckel und Rücken mit einigen Wurmlöchlein; Titel mit Rand- und Fußabschnitten; teils schmaler Wasserrand am Kopf oder Fuß; zu Beginn einige wenige Wurmspuren. LA
book (2)

Ayn new kunstlich Buech welches gar gewiß vnd behend lernet nach der gemainen regel Detre / welschen practic / regeln falsi vñ etlichê regeln Cosse mancherley schöne vñ zuwissen notdürfftig rechnûg auff kauffmanschafft. Edito princeps.

Grammateus, Henricus (d. i. H. Schreiber): 123 Bl. (von 124). Mit 8 blattgroßen Holzschnitten (teils wiederholt), darunter 1 Wappenholzschnitt, einigen meist schematischen Figuren im Text und 1 Holzschnitt-Initiale; die Titelseite in Rot und Schwarz. 8°. HLeder des 18. Jahrhunderts auf 4 Bünden, mit Rückenschild und Sprengschnitt. VD16 4144; NDB 6, 738f (mit ausführlicher Würdigung der mathematischen Leistung). Heinrich Schreiber (oder Schreyber; 1492 Erfurt - 1525/6 Wien), Astronom und Mathematiker, studierte ab 1507 in Krakau und Wien, das er im Pestjahr 1521 eine Zeit lang verließ, und nach Nürnberg ging. Während in der Vorrede (vgl. A2v) und im kaiserlichen Privileg (vgl. Q3v) 1518 als Entstehungs- und Erscheinungsjahr vorliegenden Werkes angegeben sind, tragen die Zwischentitel der Kapitel "Zornal" (Journal; vgl. N1), "Kaps" (Kassabuch; vgl. N6) und "Schuldt Buch" (vgl. O1) das Datum 1521, das vermutl. von Schreiber als Vorlage für alle zukünftige Buchhalterei vordatiert wurde. Neben den mathematischen Überlegungen Schreibers, die ihn zu einem Lehrer des gleichaltrigen Adam Riese machten ("Rechnung auff der Linihen", Erfurt 1518), sind die musikalischen Ausführungen (immerhin auf 17 Seiten!) bemerkenswert; Erwähnung als frühes Beispiel eines 'copyrights' verdient auch das ausführliche kaiserliche Privilegium Maximilians (Q2v-3v), das das Werk für 6 Jahre schützt. Von zentraler Bedeutung insgesamt ist jedoch, dass es sich um das erste deutschsprachige Werk über Buchführung (hier in erster Ausgabe) handelt. Rücken in neuerer Zeit unter Bewahrung des alten Materials restauriert, dabei auch die Vorsätze erneuert; es fehlt das letzte Blatt mit Druckermarke und undatiertem Kolophon; teils knapp beschnitten, dadurch geringer Buchstabenverlust; einige zeitnahe hs. Marginalien; teils etwas fleckig; der Wappenholzschnitt ("Johann Tscherte", Wiener Senator und Hospitalmeister) ), 1 blattgroßer Holzschnitt und die Initiale violett eingefärbt; C7 mit winzigem, hinterlegtem Eckabriss. DE
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Postilla super epistolas et evangelia.

Guillelmus (auch Guillermus) Parisiensis: 99 (statt 102), 59 (ohne das letzte weiße) nn. Bl. Mit 54 Holzschnitten, davon einige wiederholt, und Druckermarke am Schluß. 4° (22,5 x 14,5 cm). Holzdeckel der Zeit mit blindgeprägtem Lederrücken und Leder-Messing-Schließe. GW 12000 (Kopie des Eintrags liegt bei); Hain 8279; BM STC 116 (IA 37636); Goff G-629. Kessler druckte mit der hier vollständigen Holzschnittfolge die Postilla in drei Auflagen, von denen die vorliegende die früheste ist. Die Schnitte sind vermutlich beeinflußt von den Illustrationen des Straßburger Plenariums von Knoblochtzer. Kesslers "Holzschnitte sind nicht sehr zahlreich" (Geldner I, 122). Die Texte der Postilla entstanden wahrscheinlich 1437 und 1439 und werden Johannes Herolt (+ 1464 in Nürnberg) zugeschrieben. Die Postilla war ein Bestseller der Inkunabel-Zeit: GW führt insgesamt mehr als 100 Ausgaben an! Der zeitgenössische Holzdeckel-Einband mit Blindprägung (Streicheisen, stilisierte Rosetten) und Mittelschließe, deren Dekor aus langschäftigen gotischen Minuskeln auf Anker und Haken dem Marienlob dienen könnte. Es fehlen die Bl. m7-8, n6 (leer), h6 (leer); etwas berieben und bestoßen; vorderes Außengelenk angeplatzt; Lederriemen der Schließe und Vorsätze erneuert; a1 (mit großem Holzschnitt der Kreuzigungsszene) fingerfleckig; angegraut und gelegentlich etwas fleckig. Weitere Abbildungen auf Anfrage als email. LA
book (2)

Chronica vnd Historien der Braunschweigischen Fürsten herkommen/Stamm/vnnd Geschlecht/Auch andern Genachparten Fürsten vrsprung/etc. Vor zeiten in Reimen schlecht einfeltig beschrieben/jetzt aber durch Herrn Justinum Gobler von S. Gewer/der Rechten Doctorem/gebessert/vnd im Truck außgangen. EA.

Provenienz - Gobler (auch Goebler oder Gobel), Justinus (Hg.): Titel, fol. 53, 1 Bl. Auf der Titelei mit Holzschnitt-Porträt und großer als Arabeske ausgeführter Initiale. Folio. HLeder d. 19. Jhdts. Gering berieben; vereinzelt sehr gering fleckig. Auf Bl. XLIv und XLVII mit alten Anstreichungen und Glossen. Der Jurist J. Gobler aus St. Goar (1503 oder 04 - 1567) beschreibt im Vorwort, dass er diese Reimchronik 30 Jahr zuvor gelesen habe und sie nun, verbessert und auf den neuen Stand gebracht, erneut herausgibt. Goblers Liste von Ämtern und Schriften ist lang, u. a. Syndikus in Lübeck, braunschweig-calenbergischer Rath, Hof-Gerichts-Präsident zu Minden; er verfaßte juristische wie historische Schriften, z. B. über den Hildesheimer Krieg zwischen Herzog Erich und Bischof Johannes, den Krieg Maximilians I gegen Venedig und Frankreich, eine Polizeiordnung Frankfurts etc., korrespondierte mit Conrad Gesner, der in seinem Vogelbuch einen Brief abdrucken ließ und übersetzte die Novellen Justinianus'; Jöcher (II, 1019) nennt ihn auch als Herausgeber der hier vorliegenden anonymen Chronica. VD16 G 2293; ADB 9, 301; keine Erwähnung bei Jarck. Die ursprüngliche Fassung der Braunschweiger Reimchronik stammt vermutlich von Brune, Stiftsherr in St. Blasien in Braunschweig (vgl. Goedecke I, 277 und II, 324.17); Leibniz (Script. rer. bunsv. 3, 1-131) hat die Goblersche Fassung wieder abdrucken lassen. Provenienz: auf Vorsatz und Titelei mit dem Exlibrisstempel des hannoverschen Welfenhauses, vermutlich von Ernst August (1845-1923), Kronprinz von Hannover und Herzog von Cumberland. DE
book (2)

Praxis Geometriae (.). Zusammen mit: Zugabe zur Praxi Geometriae. Zusammen mit: Collegium Architectonicum oder Anleitung zur Civil-Bau-Kunst (.). Teil 1 in 2. Auflage, Teile 2 und 3 in EA. 3 Teile in 1 Band.

Penther, Johann Friedrich: Frontisp., 5 Bl., 97 S., 2 Bl., 55 S., 39 Tafeln, 2 Bl., 54 S. Mit gest. Frontispiz, einigen gestochenen und Holzschnitt-Vignetten und 39 Falttafeln in Teil 2. Folio. Pergament d. Z. mit goldgepr. Rückentitel. Einband etwas fleckig und bestoßen; einige Tafeln gering verfaltet, dadurch angerändert; Teil 3 nicht beschnitten; Besitzeintrag auf Titelei: "Plate Göttingen 1746". Der Mathematiker, Ökonom, Architekt (Bauingenieur) J. F. Penther (1693 Mittenwald - 1749 Göttingen), Bergrath der Grafen Stollberg und königlich-großbritannischer Rath, wurde 1736 als Professor für Wirtschaftswissenschaft an die neu zu gründende Universität Göttingen berufen; vorliegendes Werk basiert auf Vorlesungen, die er noch vor der feierlichen Einweihung 1737 hielt. Die Schrift stammt aus der Praxis und ist für die Praxis bestimmt. Insbesondere der dritte Teil (weltweit nur in 6 Exemplarn in öffentlichen Einrichtungen bekannt) ist vorlesungsbegleitend für die Hörer seines Collegiums bestimmt. Die Kupfertafeln in klaren, guten Abzügen zeigen Beispiele aus dem Gesamtgebiet der Geometrie und ihrer Anwendungen, beginnend mit einfachen Figuren, Berechnungen und Abbildungen von Werkzeugen wie Zirkel, Winkeleisen, Wasserwaagen etc. bis zu detaillierten Beschreibungen/Berechnungen aus den Gebieten der Landvermessung, dem Festungs-, Häuser- oder Wegebau etc. Einigen der Tafeln liegen tatsächlich existierende Gegenstände, Städte oder Landschaften zugrunde (Tafel XXXVII - Plan von Göttingen), andere Beispiele sind fiktiv: Tafel XX - "Nirgendhausen" mit den Ansiedlungen "Adelhoff", "Matz Habenichts","Peter Armut", "Nickel Vielfraß" etc. Besondere Erwähnung verdient die große Titelvignette von Teil 2 mit der gestochenen Ansicht von Göttingen vor einem geöffneten Geometer-Werkzeugkasten. Jöcher III, 1371f und Suppl. V, 1852; Poggendorff II, 399f. DE