Kotte Autographs Archives - Rare Book Insider
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Kotte Autographs

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Ms. Brief mit kleinen eigenh. Ergänzungen und eh. annotiertes Typoskript des Adressaten.

Heidegger, Martin, Philosoph (1889-1976). 5¼ SS. auf 6 Bll. und 3¼ SS. auf 4 Bll. 4to. Der Brief an einen Dr. Sinn, der Heidegger einen (hier nicht beiliegenden) Brief geschrieben und um Beantwortung von vier Fragen ersucht hatte, die Heidegger auf Sinns Typoskript in rot und schwarz annotiert und in seinem Schreiben sehr ausführlich beantwortet. Sinns Fragen betreffen Heideggers Spätphilosophie, die er in seinem Heidelberger Vortrag dargelegt hatte: „Ich frage also: läßt sich Lichtung und Geviert zusammendenken [.] Ist also, so möchte ich fragen, mit dem Denken aus der Lichtung die Überwindung der Metaphysik vollzogen und damit das ‚irgendwie’ des Geheimnisses eingelöst? [.] Ist das Geheimnis des Wahrheitsvortrages selbst noch griechisch von der Aletheia her gedacht gewesen [.] Sie sprachen in Ihrem Vortrag von der Notwendigkeit des immer wieder Prüfens dessen, was in der Lichtung von Anwesenheit spricht. Lässt sich Ihre Argumentation erweitern mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit des immer wieder zu leistenden Schrittes zurück, auf die Mehrdimensionalität des Seins, die Mehrdeutigkeit des Wortes und schließlich die Gegliedertheit des Gevierts? [.]". – Heidegger nun notiert einige Stichworte zu Sinns Fragen und erläutert diese anschließend in seinem Schreiben: „[.] Zur dritten Frage: Sie sehen richtig, daß das ‚Geheimnis’ noch von der griechisch gedachten her erörtert wird. Allein auch von der Lichtung her ist die Rede vom Geheimnis möglich. Ich vermeide sie, weil sie zu geheimnisvoll klingt und weil ohnedies schon genug ‚Mystisches’ meinem Denken unterstellt wird, während es sich überall um einfache Sachverhalte handelt. Die ‚Ambivalenz’ im Denken der Vorsokratiker ist dahin zu verstehen, daß sie noch nicht eigens in der ontologischen Differenz das Sein dachten. Dieses ‚noch nicht’ erweckt den Aschein, als dächten sie schon gleichsam über die Metaphysik hinweg – das Sein als solches. Dieses ‚noch nicht’ legt es nahe, im Gespräch mit den Vorsokratikern durch ihr Denken die Frage nach dem Sein als solchen zu erläutern, d. h. im Auslegen ihnen Nicht-mehr-Griechisches unterzulegen. Gadamer hat in seinem Beitrag zur Festschrift ‚Anteile’ (1950) treffend von der ‚Vorgeschichte der Metaphysik’ gehandelt. Das ‚noch nicht’ als Vorgeschichte ist etwas anderes als das ‚nicht mehr’ nach der ‚Überwindung der Metaphysik’" [.]".
Eigenh. Brief mit Unterschrift

Eigenh. Brief mit Unterschrift

Bocage, Jean-Denis Barbié du, französischer Geograph und Kartograph (1760-1825). 8vo. 1 p. Mit Adresse. An den Graveur Tilliard. - Jean-Denis Barbié du Bocage war Schüler des Collège Mazarin und d’Anvilles. Er wurde unter Ludwig XVI. 1780 als Geograph beim Außenministerium, 1785 beim königlichen Medaillenkabinett angestellt und nach Ausbruch der Französischen Revolution 1792 Aufseher der Kartensammlung bei der königlichen Bibliothek. 1793 eingekerkert, kam er durch die Entschlossenheit seiner Gattin frei. Unter dem Direktorium wurde er 1797 Mitglied des Rats des Geographischen Büros beim Innenministerium und nach der Machtübernahme Napoleons 1802 Geograph beim Kriegsministeriums sowie 1803 beim Departement des Auswärtigen. Seit 1806 war er Mitglied des Institut de France, seit 1808 auswärtiges Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften, seit 1809 Professor für alte und neue Geographie an der Faculté de lettres zu Paris und 1821 einer der Stifter der Geographischen Gesellschaft. Er starb am 28. Dezember 1825 im Alter von 65 Jahren in Paris und wurde auf dem Friedhof Père Lachaise beigesetzt.Seinen Ruhm begründete Barbié du Bocage durch seinen zu Barthélemys Voyage du jeune Anacharsis gelieferten Atlas (Paris 1788–89; neue Ausgabe 1799), dem andere Kartenwerke folgten, so zum Beispiel zum von Xenophon geschilderten Rückzug der zehntausend Griechen für Fortias Mélanges de géographie, ferner Cartes de marches d’Alexandre et analyse, plan de Tyr, de Thèbes en Béotie, essai sur la topographie de cette ville für Sainte-Croix’ Examen critique des historiens d'Alexandre le grand u. a.